Biorhythmik

Im Leben geht es bergauf und bergab, das alles in geschwindem Trab, mal geht es hoch, mal geht es runter, eins ist mir wichtig, ihr bleibt munter. So ungefähr sehe ich den Lauf des Lebens, doch die meiste Zeit befindest du dich irgendwo zwischendrin. An manchen Tagen scheinst du Flügel zu haben, alles gelingt dir, an anderen Tagen humpelst du nichtsnutzig herum und fragst dich nach dem Unsinn des Lebens. Dann kommen wieder Tage, da plätschert dein Leben in vorgegebenen Bahnen dahin, wie ein Bächlein in seinem Bett. Wiederum ereilen dich unvorhergesehene Ereignisse, sie krempeln dein Leben um, alles wird von einer Sekunde auf die andere anders. Nur unser blauer Planet, eingebettet in einen von uns scheinbar überschaubaren Lauf der Gestirne, zieht gleichmässig seine Bahnen. Es ist ja alles so einfach und berechenbar, wissenschaftlich erwiesen und mit dem Urknall beweisbar. Da brauche ich gar nicht mit dem Gedankenspiel der Schöpfung kommen. Oder doch? Angesichts der unendlichen Vielfalt der Schöpfung verblassen unsere Forschungen zur Bedeutungslosigkeit. Dieser Bedeutungslosigkeit hängen wir einen schönen Deckmantel um und nennen sie Wissenschaft. Und die Milliarden Menschen, die diesen gut aufbereiteten  Schwachsinn glauben, sind die so genannten Wissenschaftsgläubigen, sie sind die Melkkühe, mit denen sich fette Beute machen lässt. Sie glauben jede Lüge aus den Mündern derer, die es verstehen, sie glaubhaft und werbewirksam „rüber“ zu bringen. Mit Mathematik, Physik und Chemie lässt sich alles erklären, alles beweisen, alle Techniken sind dadurch beherrschbar geworden, alle Krankheiten sind ausgemerzt, alle Kriege beseitigt worden. Das grosse Ziel der Wissenschaft ist das das Paradies auf Mutter Erde. Doch dürfen wir Vater Staat nicht ausser Acht lassen, er ist es, der uns einen Strich durch die Rechnung macht und als Gehilfe der Schöpfung uns schneller unter Mutter Erde bringt, als uns lieb ist. Das schöne an diesem Spiel ist, dass keiner vergessen wird, selbst wenn er zu Lebzeiten Milliarden anhäuft, bekannt ist wie ein bunter Hund, bei jedem grossen Empfang oder Presseball mit neuerer, jüngerer und hübscherer Begleiterin in vorderster Reihe tanzt, in sämtliche Geschichtsbücher eingeht, sich die angeblich beste medizinische Versorgung leisten kann. „Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht geschlafen“, ein Zitat von Stanislaw Jerzy Lec. „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott“, frei nach Werner Heisenberg.

1954 bekam unsere Firma Besuch von einem schweizer Ingenieur, Sein Name war Hans R. Früh und kam aus Bassersdorf bei Zürich. Zum ersten Mal hörte man bei uns den Begriff Biorhythmus. Dieser Mann hatte sich mit Haut und Haaren diesem Thema verschrieben. Was bedeutet Biorhythmus? Aus dem griechischen entlehnt: Bios = Leben  -  Rhythmus = in bestimmten Zeitabschnitten Wiederkehrendes

Wenn der Lauf der Gestirne einem bestimmten Rhythmus folgt, warum sollten wir Menschen und sonstige Geschöpfe als kleine „Sandkörner“ nicht an diesem Rhythmus teilhaben? Sind wir nicht eingebunden in den Rhythmus von Tag und Nacht, von Ebbe und Flut, von Wärme und Kälte, von Trockenheit und Nässe, von Geburt und Tod, von Gesundheit und Krankheit? Diese Liste ist fast beliebig erweiterbar.

Für mich ist vorab klar, dass wir Menschen unsere Erde als Lebensraum brauchen. Sie braucht uns nicht. Wozu auch? Wenn wir auf ihr überleben wollen, haben wir uns anzupassen. Sie braucht sich nicht an uns anzupassen und sie hat es auch nicht vor. Für die Natur gibt es keine Katastrophen, die gibt es nur für diejenigen von uns Menschen, die glauben, alles im Griff zu haben. Wer schon einmal einen Wellenreiter beobachtet hat, dem wird eines klar. Dieser nutzt die Energie des Windes und der Wellen im richtigen Augenblick. Diesen richtigen Augenblick zu erwischen erfordert zum einen die Liebe zur Natur und der Respekt vor ihren Gewalten, zum anderen Talent und sehr viel Übung, um eine Perfektion zu erreichen, sonst hat er keine Chance. Er wartet auf den günstigsten Augenblick um sich aber dann unerschrocken die Energie der Wellen zu Nutze zu machen. Daher auch der Spruch: „Wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist und das richtige tut, der kann dem Erfolg nicht ausweichen“.

Ärzte, allen voran Dr. Wilhelm Fliess befasste sich schon fast hundert Jahre vorher mit Biorhythmus. Mit akribischer Genauigkeit widmete er sich zeitlebens seinen Studien. 

„Triumph der Lebensrhythmen“ diesen Titel trug eines seiner ersten Werke.

Körper, Seele, Geist – unser Leben spielt sich in Sinus-Rhythmen ab.

Der Körper-Rhythmus umfasst 23 Tage (11,5 Tage Hoch, 11,5 Tage Tief) Er wird auch als männlicher Rhythmus bezeichnet.

Der Seelen-Rhythmus umfasst 28 Tage (14 Tage Hoch, 14 Tage Tief) Er wird auch als weiblicher Rhythmus bezeichnet.

Der Geist-Rhythmus umfasst 33 Tage (16,5 Tage Hoch, 16,5 Tage Tief) Er wird auch als mentaler Rhythmus bezeichnet.

Alle drei Rhythmen beginnen bei der Geburt bei Null mit 3-fach kritischem Tag.

„Kritischer Tag“ bedeutet, wenn die Sinuskurve die Nulllinie durchbricht, von unten (Tief) nach oben (Hoch) oder von oben (Hoch) nach unten (Tief).

Durch die unterschiedlichen Rhythmenlängen ergeben sich unterschiedliche Konstellationen. Erst ach 21.252 Tagen (23x28x33) beginnen alle 3 Rhythmen wieder bei Null. Wenn man nur den körperlichen und den seelischen Rhythmus betrachtet, beginnen diese beiden Rhythmen nach 644 Tagen bei Null. Diese 644 Tage nennt man 1 Biojahr.

Nun komme ich zwangsläufig zurück auf  meinen Onkel Otto. Er war der jüngere Bruder meiner Mutter. In einem früheren Kapitel hatte ich ihn kurz erwähnt. Er war Feinmechaniker von Beruf. Ich lernte ihn erst kennen, als er schon weit über zehn Jahre russische Gefangenschaft auf seinem Buckel hatte und endlich heimkehrte. Er war gezeichnet von Hunger, Kälte und Entbehrungen. Als Gegenpol zu allem Elend blieb ihm während dieser Jahre die Hoffnung auf sein Überleben und die Rückkehr in die Heimat. Die meisten seiner Kameraden hatten ihr Leben schon  in Gefechten gelassen, viele andere starben an Kälte, an Unterernährung, an Krankheiten und nicht wenige an Verzweiflung. Ja der Krieg, da werden friedfertige Menschen, die sich nicht kennen, gegeneinander aufgehetzt und danach aufeinander gehetzt, von Macht-Menschen, die sich kennen. Wäre es da nicht einfacher und gerechter, wenn sich diese „Grössen und Spitzen“ duellieren würden? Würde es nicht reichen, wenn die Untertanen für die ausgedachten Steuern aufzukommen hätten? Obendrein könnte man sich den Wehretat samt Rüstungsindustrie sparen. Wie pflegt mein Stammtischbruder Hans Gruler zu sagen: „Der Krieg ist für die Reichen, der Mittelstand muss weichen, die Armen stellen die Leichen“.

Ein Freudenfest wurde gefeiert bei Onkel Ottos Spät-Heimkehr aus Russland. Sogleich holte er sein Motorrad der Marke NSU aus dem Versteck, in dem es genau so viele Jahre zubrachte, wie er gefangen war. Es schien so, als hätte sein geliebtes Motorrad sehnlich auf ihn gewartet. Innerhalb kurzer Zeit brachte er die Maschine zum Laufen, sie tuckerte so gleichmässig, als sei nichts gewesen.

Voller Tatendrang nahm Onkel Otto das Angebot meines Grossvaters an, eine kleine Musterwerkstatt im Betrieb einzurichten. Als Junge besuchte ich ihn oft. Da fand man ihn entweder an der Drehbank, an der Fräsmaschine oder am Schraubstock stehend. Seine Gedanken setzte er um in Zeichnungen und Skizzen. Diese nahm er als Vorlage und fertigte präzise Muster.

In seiner Freizeit baute er für mich eine Seifenkiste. Diese hatte eine richtig  geteilte Vorderachse und eine präzise Lenkung. Auf die Fussbremse, welche gleichmässig auf beide Hinterräder wirkte, war ich besonders stolz. Onkel Otto fand die Frau seines Lebens und heiratete. Bald wurde er stolzer Vater eines Sohnes. Dieser Sohn ist mein einziger Cousin. Beruflich trat er in die Fussstapfen seines Vaters. Er ist heute in der Entwicklungsabteilung eines grossen Unternehmens tätig. Als leidenschaftlicher Segelflieger passt er sich Wind und Sonne an, nutzt deren Energie, dabei kann er diese Erde aus der Vogelperspektive bewundern.

Dieser eingangs erwähnte Biorhythmiker Hans R. Früh aus der Schweiz kam 1954 in unsere Firma. Er war auf der Suche nach einem Tüftler, der ihm einen Prototyp einer Uhr mit Biorhythmusanzeige anfertigen könnte. Für dieses Ansinnen war Onkel Otto geradezu prädestiniert. Den heute oft verwendeten Werbespruch: „Geht nicht – gibt’s nicht“, kannte er nicht, er handelte nach einem anderen Prinzip. Sein Spruch lautete unausgesprochen: „versuch es anders, wenn es so nicht geht“.

Bei dieser Handlung kam als Resultat seiner Arbeit eine Jahresuhr mit zusätzlichem Räderwerk heraus. Schon allein die Berechnung der Zahnräder war nicht einfach. 23, 28 und 33 Tage galt es zu koordinieren. Der Ingenieur brachte die Zifferblätter mit je vier halbrunden Schlitzen. Hinter diesen Öffnungen kreisten 3 Scheiben, eine für den körperlichen Rhythmus, eine für den seelischen und eine für den geistigen Rhythmus. Die vierte Scheibe zeigte die Mondphase an. Da plazierte mein Onkel noch einen kleinen Hebel an geeigneter Stelle, um bei einem Schaltjahr manuell ins Geschehen eingreifen zu können. Wenn die Uhr mal stehen bleiben sollte, diente diese Vorrichtung zur Korrektur. Technisch war diese Lösung perfekt gelungen. Die Uhr funktionierte bestens. Was stand einer Serienproduktion entgegen?

Die Uhr war für eine einzige Person einstellbar. Zuerst brauchte man, um die ganzen Einstellungen für einen gewisses Geburtstag und den entsprechenden Stichtag zu berechnen, einen für die damalige Zeit revolutionären Biorechner. Dieser war patentiert, aber für Laien kompliziert und unverständlich, obendrein sehr teuer. In diesem Rechner waren verschiedene Rollen gespeichert.

In den Sichtfenstern erschienen Zahlen über Zahlen. Sie dienten dazu, die Lebenstage seit einem bestimmten Geburtsdatum auf den Tag zu berechnen.

Dafür mussten auch die Schaltjahre berücksichtigt werden. Die Lebenstage wurden dann geteilt durch 23, durch 28 und durch 33. Dabei kam jeweils eine ganze Zahl heraus, das aber nur bei genauer Teilbarkeit. Bei nicht genauer Teilbarkeit blieb eine Restzahl für den körperlichen Rhythmus zwischen 1 und 22, beim seelischen Rhythmus zwischen 1 und 27, beim geistigen Rhythmus zwischen 1 und 32. Diese Restzahlen waren nun das Rechenergebnis für den gewünschten Stichtag. Nun erst konnte die Uhr eingestellt werden. Diese Prozedur war unzumutbar für Kunden, Fehlberechnungen waren unvermeidbar. Das heisst aber nicht, dass dieser Prototyp heute nicht mehr funktionieren würde.

Zurück zu Onkel Otto – ein „Mitbringsel“ aus russischer Gefangenschaft waren marode Nieren. Anfangs der sechziger Jahre gab es nur zwei Dialysestationen in Deutschland. Damals benutzte man den Ausdruck „Blutwäsche“ für diese lebenserhaltende Reinigung des Blutes. Eine dieser Stationen war in Göttingen, die andere in Freiburg am Universitätsklinikum. Dorthin musste er zweimal die Woche. Obwohl es für ihn immer sehr anstrengend war, hörte man ihn nie klagen. Ein paar Jahre hielt er diese Strapazen durch. Anfangs fuhr er mit seinem Auto selbst hin. Er musste dabei jedes Mal den Schwarzwald überqueren. Dann ging es nicht mehr, er war auf den Krankenwagen angewiesen. Mit 46 Jahren kam das Aus für ihn. Ich hatte nicht nur einen Onkel, ich hatte einen Freund verloren.

Mein Vater berechnete damals für die ganze Familie und für die Menschen, die sich dafür interessierten, den Biorhythmus. Es gab da Monatskärtchen, in welche er die Ergebnisse eintrug. Mit dem Biorechner kannte er sich durch die vielen Übungen gut aus und entwickelte eine gewisse Schnelligkeit. Und wenn er einmal die Grunddaten einer Person hatte, konnte er darauf aufbauen, immer die Monate mit ihren unterschiedlichen Tagzahlen berücksichtigend. Irgendwann interessierte ich mich für dieses Thema. Ich verschlang alle Literatur, an die ich herankommen konnte. Mit etwa sechzehn fing ich an, Geburtsdaten zu sammeln und später ging ich dazu über, Ereignisse unterschiedlichster Natur unter die Lupe zu nehmen und sie nach biorhythmischen Gesichtspunkten zu berechnen. Irgendwann bekam ich den Spitznamen „Biofranz“ verpasst. Ich ärgerte mich darüber, weil er hinter vorgehaltener Hand als „Spinner“ viel treffsicherer interpretiert wurde. Die folgenden Jahre ging ich nicht mehr so verkrampft zur Sache, sammelte weiterhin Geburtsdaten, wo ich sie nur bekommen konnte.

Meine ansehnliche Datenbank, nach damaligen Möglichkeiten aufgezeichnet, kam mir viele Jahre später wieder in die Hände. In der Zwischenzeit war das Computerzeitalter über uns hereingebrochen. Ich erinnerte mich an die mühsame Rechnerei mit den früheren Hilfsmitteln. Zudem gab es nun Datumsdatenbanken für mehrere hundert Jahre zurück und vorwärts. Damit konnte man blitzschnell, schon in den Standardprogrammen, die exakten Tage zwischen 2 Daten ermitteln. Dabei waren Schaltjahre schon berücksichtigt. Das war das Ende des alten Biorechners. Nun war es möglich, den Biorhythmus beliebig vieler Personen mit den unterschiedlichsten Geburtsdaten auf einen Rutsch zu berechnen und auszudrucken. Da kam Freude auf. Nun war ich in der Lage, meine früher gesammelten Geburtsdaten in eine nach meinen Ideen aufgebaute Datenbank einzugeben. Diese Datei war damals schon riesig, aus heutiger Sicht allerdings erst der Anfang.

Meinen Hunger auf Geburtsdaten würde ich heute eher als Gier bezeichnen. Ich legte mir einen privaten PC zu, damit ich abends zuhause Daten eingeben konnte. Dabei wartete ich nicht mehr auf Angaben in Zeitungsberichten. Ich abonnierte eine Sportzeitschrift, darin gab es jede Woche Nachschub. Dann besorgte ich mir die Fussball-Bundesliga-Tabelle der ersten 25 Jahre, von 1963 bis 1988. Darin fand ich sämtliche Spieler mit ihren Geburtsdaten, alle Spiele mit Mannschaftsaufstellungen und Ergebnissen, mit Torschützen, eine Fülle von Daten konnte ich in meine neu geschaffenen Tabellen übertragen. Ab 1989 interessierte ich mich für die aktuelle Bundesliga, für die Vereine, ihre Trainer, ihre Manager, ich begann damit, die Tabelle selbst weiter zu führen, dazu kamen die Daten der aktuellen Schiedsrichter. „Spinnst du jetzt total, seit wann interessierst du dich für Fussball? Warum kennst du auf einmal alle Spieler, die im Fernsehen gezeigt werden?“. Das waren die Worte meiner Frau. So ganz nebenbei kamen die Daten von Zweitliga und von Regionalligen zusammen. Internationale Spieler fanden Eingang, alle die an Europameisterschaft und Weltmeisterschaft teilnahmen. Nicht genug damit, alle Grossen im Tennis, in der Leichtathletik, im Wintersport, in der Formel 1, bei der Tour de France und viele die mir im Moment gar nicht einfallen bis hin zum Eishockey verfolgte ich bei ihren Wettkämpfen.

Durch die selbst gestrickten Programme zur Biorhythmusberechnung war es nun möglich, unseren Uhrenkunden und den bisherigen Biorhythmikkunden individuelle Ausdrucke in leicht verständlicher Tabellenform für ein ganzes Jahr zu erstellen. Biorhythmische Kurvendarstellungen gab es zu dieser Zeit auf dem Markt zuhauf, sie waren aufgemacht wie Horoskope und wurden entsprechend vermarktet. Den Kunden fehlte das Hintergrundwissen. Sie mussten zwangsläufig glauben, Biorhythmik und Astrologie wären eineiige Zwillinge. Findige Zeitgenossen, ich lernte in dieser Zeit mehrere kennen, versuchten, beides zu kombinieren. Sie waren leider nur an meinen umfangreichen Daten und deren Auswertungen interessiert. Das habe ich zum Glück noch rechtzeitig geschnallt und abgebogen.

So als kleines Nebenprodukt habe ich sämtliche Fussball-Bundesliga-Spieler geordnet nach Spielpositionen und nach Sternzeichen. Obwohl ich mich nie intensiv mit Astrologie beschäftigt habe, juckte es mich, die Torschützen aller über 37.000 Tore von 1963 bis 2003 zu katalogisieren. Ich teilte sie in 12 Sternzeichen ein, dazu in die 7 Wochentage. Warum so oft unterteilt?

Ich las damals das sehr interessante Buch von Gunther Sachs. „Die Akte Astrologie“. Als Mathematiker führte er seine umfangreichen Studien durch und dokumentierte sie sehr eindrucksvoll. Das erklärte Ziel seiner Forschungen galt der Frage, ob zwischen den Sternzeichen und dem Verhalten der Menschen sowie ihren Anlagen ein Zusammenhang besteht. Und er hat es eindeutig nachgewiesen – dieser Zusammenhang besteht. Millionen geprüfte Daten von Heiraten, Scheidungen, Singles, Krankheiten, Suiziden, Studium, Berufen, Straftaten, Autofahrern flossen in seine Studien ein.

Mit Daten von Millionen Menschen konnte ich nicht aufwarten.

37.324 Tore fielen in 40 Jahren. Sie verteilten sich folgendermassen:

 

Widder  2.811   Stier   2.630

Zwilling  2.006   Krebs   2.692

Löwe   3.431   Jungfrau  3.850

Waage  3.822   Skorpion  3.691

Schütze  3.213   Steinbock  3.807

Wassermann 2.617   Fische  2.754

 

Auf den ersten Blick ist nichts Aussagekräftiges zu entdecken. Da es für mich wichtig erschien, zu registrieren, an welchen Wochentagen die Torschützen geboren waren, ergaben sich neue Zahlen der Verteilung.

Die samstags geborenen Skorpione schossen rund 10 x so viel Tore als die donnerstags geborenen Zwillinge, nämlich    1.118  zu  116

Dabei lasse ich es mit diesen astrologisch angehauchten Zahlenspielen bewenden.

Für mich waren andere Aspekte von grösserer Bedeutung. Egal, an welcher Position ein Spieler zu welchem Termin eingesetzt wird, er wird mit besseren und mit schlechteren Tagen konfrontiert werden. Diesem Naturgesetz sind alle Menschen unterworfen, nur bei Sportlern oder anderen Menschen, die sich Höchstleistungen abverlangen, wird diese Tatsache schneller offensichtlich.

Man hört immer wieder Sätze wie: Der ist im Hoch, der sitzt im Tief fest, der hat einen Lauf, der ist mental ausgelutscht, man braucht in der Sportschau und bei Kommentaren von Trainern und Spielern nur mal bewusst hinhören. Jeder Sieg und jede Niederlage wird mit Standardsprüchen gewürzt, so oder so. Alles wiederholt sich – Rhythmus – in gleichen Zeitabständen Wiederkehrendes.

Für einen einzelnen Menschen den Biorhythmus für einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein Jahr oder mehrere Jahre im Voraus zu berechnen und auszudrucken ist einfach. Diese Methode ist allerdings nur geeignet für Einzelsportler, wo Mann gegen Mann, Frau gegen Frau antritt. Diese Menschen brauchen in ihr Trainingsprogramm niemand mit einzubeziehen. Sie trainieren nach ihrem persönlichen Biorhythmus. Hartes Training zur richtigen Zeit, Regeneration zur richtigen Zeit.

Anders ist es bei Mannschaften, wo sich die Stärke bzw. Schwäche jedes Einzelnen auf die Gesamtmannschaft auswirkt. Auch hier gilt das Gesetz der Kette, die nur so stark ist, wie das schwächste Glied.

Bei meinen Spielanalysen war mir bald klar, dass ich an manchen Stellen mein bisheriges Denken, das ich irrtümlicherweise für Wissen hielt, über Bord zu werfen hatte. Viel zu viele, nicht mathematisch mess- oder beeinflussbare Faktoren spielten hinein. Landauf, landab wurden die Mannschaften vom Trainer nach der Methode aufgestellt: Die Leistungen des Einzelnen in Spielen und im Training der Vergangenheit wurden herangezogen, um einen aufzustellen oder den Vorzug vor einem anderen zu geben. Das machten ja alle so. Damit eine Mannschaft gewinnen kann, muss die andere verlieren, das ist eine Tatsache. Es wäre sehr einfach, wenn ein Trainer immer gerade nur diejenigen aufstellt, die nach biorhythmischen Gesichtspunkten „am besten drauf“ sind. Sehr bald bin ich darauf gekommen, dass mit dieser Methode der Schiffbruch vorprogrammiert ist. So wie Zahnräder ineinander greifen müssen, dass eine Kraftübertragung möglich ist, so müssen die einzelnen Biorhythmen der Spieler ineinander passen, um alle Kräfte zu mobilisieren und bündeln zu können.

So entwickelte ich Programme, mit denen ich für ein ganzes Kader mit bis zu 30 oder mehr Spielern auf einen Tag ausrechnen, nach diversen Kriterien sortieren und ausdrucken konnte. Ein speziell entwickeltes Punktesystem machte die jeweilige Einsortierung erst möglich. Nun war der Trainer in der Lage, auf einen Blick für jeden Tag seine Schützlinge zu trainieren. Er konnte sie bei jedem Training in 2 Gruppen einteilen, die eine Gruppe mit „Hochlage“ wurde hart „ran genommen“ ohne sich zu überfordern, die andere Gruppe mit „Tieflage“ oder „Kritischen Tagen“ trieb Ausgleichssport, ohne sich zu unterfordern. Nur so war es möglich, die sich bei jedem Spieler jeden Tag veränderte Rhythmenkonstellation zu berücksichtigen.

„Wer sich zum falschen Zeitpunkt (in meinem Fall zu früh) zu weit aus dem Fenster lehnt, wird nicht beachtet“. Von wem auch, wenn diejenigen, die davon profitieren könnten, noch wohlgenährt in ihren warmen Betten liegen.

Ein Training nach Biorhythmus ist nichts anderes, als die praktische Anwendung des spartanischen Prinzips. Auf den Sport gemünzt heisst dies, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu erreichen.

Später werde ich zwangsläufig noch einmal auf dieses Thema zurückkommen müssen. Nun lasse ich es ruhen.